Fashion-Label funkt mit textilen RFID-Etiketten

Die Vorstellung hat etwas Beunruhigendes: Man läuft ahnungslos an einem Computer-Freak vorbei, der an seinem Laptop zu arbeiten scheint, und plötzlich erscheinen auf dessen Monitor Daten und Informationen über einen selbst. Das hört sich zunächst etwas unglaubwürdig an. Vielmehr klingt es wie ein Klischee aus einem Science-Fiction-Film. Die Szene ist aber längst Realität, wie das WDR-Fernsehen in der Reihe „Markt“ eindrucksvoll zeigte.

In dem Beitrag ging es um RFID-Chips, die von verschiedenen Herstellern in Kleidungsstücke eingenäht werden. Der WDR lud RFID-Experten von Foebud e. V. ein, um auf Datenschutz-Probleme hinzuweisen. RFID steht für Radio-Frequenz-Identifikation. Die dabei eingesetzte Technologie basiert auf einer berührungslosen Informationsübermittlung zwischen Chip und Lesegerät.

Das Kernproblem ist, dass die auf den Funkchips gespeicherten Informationen können auch dann ausgelesen werden, wenn sich das RFID-Lesegerät einige Meter entfernt befindet. Im Klartext bedeutet es: die Informationen auf dem Chip begleiten seinen Träger wie ein Datenschatten. Ohne dessen Wissen werden Daten erfasst und die RFID-Chips können bei unterschiedlichsten Gelegenheiten registriert werden.

Lauschangriff in der Fußgängerzone

Aktivisten des Vereins Foebud demonstrierten die Datenschutz-Probleme auf eindrucksvolle Weise in der Praxis. In einer Bielefelder Fußgängerzone stellten sie ein RFID-Lesegerät auf, das jedes RFID-Etikett im Umkreis von bis zu acht Metern registrierte. Über einen Laptop und einen Beamer wurde die jeweils ausgelesene Nummer deutlich sichtbar auf ein großes Display projiziert. Der WDR filmte die Aktion für einen Film-Beitrag der Mitte Januar 2012 ausgestrahlt wurde. Den Passanten erklärten die Aktivisten, dass dies die Nummer des Chips sei, der in ihre Kleidung ist. Daran könne man sie wiedererkennen, wenn sie in einiger Entfernung an einem anderen Lesegerät erneut erfasst würden. Die Betroffenen reagierten vor allem besorgt und irritiert.

Da jeder Chip mit einer weltweit einmaligen Nummer versehen ist, kann der damit versehene Artikel jederzeit eindeutig identifiziert werden. Handelt es sich dabei allerdings beispielsweise um ein T-Shirt oder eine Jacke, dann lässt sich nicht nur dieses Kleidungsstück, sondern zugleich auch dessen Träger identifizieren. Aus diesen Daten lässt sich mit einfachen Mitteln ein Bewegungsprofil erstellen.

Vor allem die Tatsache, dass „berührungslos“ in diesem Fall nicht nur einen Abstand von wenigen Zentimetern, sondern bis zu mehreren Metern bedeuten kann, alarmiert Datenschützer und besorgte Bürger. Gedacht ist die RFID-Technik vor allem dazu, Abläufe in Unternehmen zu vereinfachen und Produktions- und Logistik-Prozesse zu steuern. So sind RFID-Chips zwar äußerst hilfreich, um Lagerbestände zu verwalten oder die Inventur schnell durchzuführen.

Das Modehaus Gerry Weber nutzt RFID-Technik neuerdings für die Inventur und kann so 210 Teile in 30 Sekunden zählen. Früher habe man für ein Geschäft 15 Mitarbeiter ein Wochenende lang durchzählen lassen müssen, heute könnten drei Mitarbeiter dasselbe in einer halben Stunde erledigen, heißt es bei dem Modehaus. Auch zum Schutz gegen Diebstahl und Markenpiraterie werden die Chips genutzt. Diesen grundsätzlichen Nutzen der RFID-Chips stellen Datenschutz-Aktivisten auch gar nicht infrage. Allerdings fordern sie, die Nummern auf dem Chip nach dem Kauf zu deaktivieren.

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